Maxi-CDs (64)

Auch schon wieder 11 Jahre her! Und ich hätte wetten können, dass das Album und die dazugehörige Vorabsingle seinerzeit deutlich früher im Jahr erschienen waren. Tatsächlich aber, ich machte mich da kundig, erblickte „Red carpet massacre“ Mitte November das Licht der Welt. Meine Fehleinschätzung mag davon herrühren, dass ich das Album seit seiner Wiederentdeckung vor vier Jahren sehr gerne im Frühjahr höre, wenn die ersten warmen Tage das Anschmeißen des Grills und ein Bierchen im Freien erlauben. Bezeichnend ist, dass ich dabei gerne Lied 4 überspringe, und das wurde ausgerechnet als einzige Single aus dem ansonsten meines Erachtens grandiosen Album ausgesucht.
Kurz zum Lied: Irrelevantes Geschrammel, bei dem irgendwie und irgendwo auch Justin Timberlake mitsingen soll. Glücklicherweise bekommt man davon allerdings nichts mit, sonst wäre das Lied wohl komplett unerträglich. Er hat das ganze Album auch mitproduziert, und ohne zu wissen, wie es ohne seinen Einfluss geklungen hätte, schmeiße ich jetzt einfach mal ein „Gut gemacht!“ in den Raum, denn bis auf den erwähnten „Falling down“-Ausfall ist die Platte wie gesagt echt dufte! Gerade das Eröffnungsstück „The valley“ und „Nite-runner“ wären für eine Auskopplung sicher besser geeignet gewesen, wenn auch deutlich sperriger und weniger nach Duran Duran klingend.
Ursprünglich war angeblich tatsächlich auch mal angedacht, „Nite-runner“ als erste Single zu veröffentlichen, aber die Verabschiedung Andy Taylors aus der Band änderte wohl alles. Unter anderem sogar den Titel des Albums, das ursprünglich mal „Reportage“ heißen sollte. Die bis zum Ausscheiden des Gitarristen, der auch Besitzer einer gerne getragenen Sonnenbrille war, wurden daraufhin neu aufgenommen.
„Reportage“ hätte zu dem Plattencover natürlich auch gepasst, aber „Red carpet massacre“ ist natürlich deutlich schmissiger! Und wer mal durch das Hochglanz-Booklet blättert, wird davon sicher begeistert sein, das ist einfach cool gemacht! Und nett anzuschauen, da dort ein paar Kolleginnen von Frau Le Bon die Hauptrolle spielen.

Duran Duran „Falling down“ (2007)

Maxi-CDs (63)

Als im Frühjahr 1998 die Single „Bleibt alles anders“ als Vorbote zum gleichnamigen Album von Herbert Grönemeyer erschien, war man doch in allen Belangen positiv überrascht. Die A-Seite hatte im Gegensatz zu den später folgenden Erstauskopplungen ordentlich Wumms, und die B-Seite, bei Herrn Grönemeyer traditionell ein weiteres Album-Lied, war im Grunde sogar noch besser! Musikalisch eingängig und mit einem Text zwischen lustig und nahe am Genialen, drehte „Nach mir“ ziemlich schnell deutlich häufiger im CD-Player als das Titellied, gerade bei den bierseligen Zusammenkünften im PlanetMusic bei Herrn Larry J. Snyder, der meine Vorliebe für die B-Seite teilte. Dabei stellte sich allerdings die Frage nach dem Warum. Warum hatte man ein solches Lied als Zugabe zu einer Single und nicht als eigene gewählt? Genug Munition wäre ja da gewesen, wie das kurz darauf erschienen Album bewies, das ebenfalls grandiose „Neue Welt“ zum Beispiel. Was für eine Verschwendung, so dachte man, wie schon fünf Jahre zuvor bei „Chaos“ mit dem zugegebenermaßen allerdings nicht zwingend für eine Single geeigneten „Grönland“. Den Gedanken hatte man dann wohl auch bei der Plattenfirma, denn plötzlich tauchte ein Jahr später auf der sogenannten Music Info Disc (das war eine meines Wissens unregelmäßig veröffentlichte Daten-CD mit den in Deutschland angeblich erhältlichen Tonträgern) eine „Nach mir“-Single mit für diese Phase ungewöhnlich dunklem Cover auf. Dummerweise war allerdings nicht dranzukommen. So ziemlich jeden Plattenladen in der Umgebung und darüber hinaus graste ich seinerzeit ab, und dort fand man die CD noch nicht einmal im Computer. Irgendwann setzte sich die Vermutung durch, dass das Ganze wohl eine Ente war, bedauerlicherweise.
Etwa 15 Jahre später, mittlerweile hatten sich das Internet und auch Amazon durchgesetzt, startete ich eine erneute Suche, ohne wirklich ein Ergebnis zu erwarten. Zwei Tage später klingelte der Postbote.

Herbert Grönemeyer „Nach mir“ (1998)

Maxi-CDs (62)

Wir hatten ja schon das Thema des „Who’s that girl“-Soundtracks, der mir seinerzeit den Urlaub versüßte. Da ich mich gerade wieder in einem befinde, können wir ja mal einen Blick auf das meiner Ansicht nach beste Lied des gesamten Albums werfen. Oder das zweitbeste, das hängt von meiner Stimmung ab. „Turn it up“ von Michael Davidson ist laut Wikipedia so ziemlich das Einzige, was er jemals aufgenommen hat. Was bedauerlich ist, denn das Lied ist so dermaßen Achtziger, und das im positivsten Sinne, dass er davon gerne noch ein paar mehr hätte machen können! Die abgebildete Maxi-CD ist selbstredend kein Original aus dem Erscheinungsjahr, sondern eine Neuauflage der Vinylausgabe, datiert auf 2015.

Michael Davidson „Turn it up“ (1987)

Maxi-CDs (61)

Sommerzeit ist „Zooropa“-Zeit, also zumindest für mich. Das Album kam seinerzeit Anfang Juli raus und begleitet mich während der sehr warmen, olivgrünen Grundausbildungs-Monate in den Niederlanden. Ein Lied stach bei der Platte von Anfang an heraus: „Lemon“. Das war – ähnlich wie die Vorgänger-Auskopplung „Numb“ – so gar nicht U2-typisch und hätte den Namen „Pop“ deutlich mehr verdient gehabt, als alle Titel, die vier Jahre später auf eben diesem Album zu finden waren.
Leider wurde „Lemon“ recht stiefmütterlich behandelt. Sie Single wurde nur in Australien und Japan (!) veröffentlicht, bei uns gab es lediglich die Radio-Promo-CD. Beiden Versionen, die wir auch auf den Fotos sehen, ist eins gemein: Sie enthalten nicht das Original, sondern die wirklich miese Edit-Version, die fast vollständig der fulminanten Schwebesound-Bridge beraubt wurde. Währenddessen ist der Videoclip mit dem Lied in Originallänge hinterlegt, weswegen der eine oder andere Käufer der Single sicher etwas verstimmt war.

U2 „Lemon“ (1993)

Maxi-CDs (60)

Es gab mal eine Zeit, in der im Radio eine Menge Musik von Erasure gespielt wurde. Und damit meine ich nicht die Achtziger, in denen man an den Herren Vince Clarke und Andy Bell aufgrund der beachtlichen Anzahl an Hits eh nicht vorbeikam, sondern, und das ist ja eigentlich noch gar nicht so lange her, die Neunziger. Da kamen sie auf einmal mit „Always“ um die Ecke und landeten damit ihren bis dato letzten großen Erfolg, der nun wirklich überall gespielt wurde. Nicht unclever im April veröffentlicht, hatte das Lied genug Zeit, um zu einem veritablen Sommerhit zu werden.
Was war zu der Zeit noch so los? Das Ende meiner einjährigen Bundeswehrlaufbahn zum Beispiel. Oder die Fußball-WM in den USA mit dem gestenreichen Stefan Effenberg. Und es gab die mäßig erfolgreiche, aber nach wie vor gerne gehörte Nachfolge-Single „Run to the sun“, die im Juli erschien, womit ich sie noch mit in den Urlaub nach Teneriffa nehmen konnte. Und im Anschluss daran verabschiedete sich die Dame, die schon Herberts „Chaos“ doof fand, siehe Folge 58. Der Sommer nahm also für mich ein jähes Ende, obwohl Erasure ihn so schwungvoll eingeläutet hatten.

Erasure „Always“ (1994)

Maxi-CDs (59)

Der Sommer steht vor der Tür. Eigentlich ist er bereits eingetreten und freundlich empfangen worden, wenn wir uns das Wetter der letzten Wochen rückblickend anschauen. Und es soll ja sogar noch besser werden, wie man hört. Es wird also Zeit, sich mit den Ferien zu beschäftigen, und dabei vorneweg mit den vergangenen. Zum Beispiel mit denen von 1987, die mir meinen ersten LTU-Flug bescherten. Nach Kreta ging’s seinerzeit, irgendwann im Juli oder August. Die Hitze war kaum auszuhalten, aber ansonsten war es ganz nett dort.
Mit dabei war selbstverständlich mein Walkman und eine kurz vor der Abreise erstandene und auf eine MC überspielte Platte, nämlich der Soundtrack zum Film „Who’s that girl“ mit Madonna, die auch einen Großteil der Filmmusik beitrug. Unter anderem auch das Titelstück, das ich erst sehr viel später aus Nostalgiegründen auch als Single erstand. Es ist nicht das beste Lied des Albums (zu dem kommen wir in Folge 62 oder 63), aber es macht zumindest mir Lust auf Sonne und Meer, auch wenn ich darauf noch ein bisschen warten muss.
Der Film selber ist übrigens wenig sehenswert, wenn ich mich richtig erinnere.

Madonna „Who’s that girl“ (1987)

Maxi-CDs (58)

Es begab sich also zu der Zeit, dass uns Herbert ein neues Album an den Start brachte. Natürlich mit Vorab-Single, die zufällig den gleichen Namen wie die ganze Platte trug. Ich befand mich damals in den, ja, nennen wir es mal Vorbereitungen auf das Abitur und war dementsprechend für jede Ablenkung dankbar. Und so erstand ich also am Veröffentlichungsdatum „Chaos“ und fand das Titellied von Beginn an nicht halb so klasse wie die B-Seite „Grönland“, aber das ist eine andere Geschichte.
Meine damalige Freundin befand sich seinerzeit in Frankreich bei einem Schüleraustausch, und das mit meiner heißgeliebten blauen Stoff-Diesel-Jacke. Diese Information tut nichts zur Sache, ich will damit nur meine Großzügigkeit ihr gegenüber betonen, was bei dem 60. Beitrag über Maxi-CDs noch mal wichtig wird. Jedenfalls holte ich sie bei ihrer Rūckkehr von ihrer Schule ab und spielte ihr nicht ohne Stolz den neuen Titel des von ihr ebenso wie von mir sehr verehrten Herrn Grönemeyer vor. Für die Jüngeren unter uns sei dabei erwähnt, dass so etwas nicht ohne technischen Aufwand möglich war. Der von meiner Mutter in Beschlag genommen Audi 80 verfügte selbstverständlich nur über ein Kassettenradio, also musste die CD zunächst auf eine TDK-90 überspielt werden. In Echtzeit.
Ich glaube, so wahnsinnig toll fand sie das Lied auch nicht, zumindest konnte sie ihre Begeisterung ganz gut verbergen.

Herbert Grönemeyer „Chaos“ (1993)